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12.08.2011 - Artikel
Kulturelle Vielfalt – mehr als nur ein schönes Accessoire

Interview mit Farai Mpfunya

Kulturelle Vielfalt und nachhaltige Entwicklung sind zwei Begriffe, die in vieler Hinsicht zusammengehören. Sie wurden am 26. August 2011 im Rahmen eines Forums im Zürcher Theaterhaus Gessnerallee diskutiert. Im Vorfeld der Diskussion hat Farai Mpfunya, Direktor des Zimbabwe Culture Fund Trust, zu diesem Thema sich geäussert.

Farai MpfunyaInwiefern ist kulturelle Vielfalt ein wichtiger Begriff der internationalen Zusammenarbeit?
Die Ereignisse vom Sommer 2011 in Norwegen geben uns allen Anlass zu tiefer Sorge: Ein Mann schockierte seine Mitbürgerinnen und Mitbürger und die Weltöffentlichkeit mit einem Massaker und einem Manifest, in dem er der kulturellen Vielfalt und der multikulturellen Gesellschaft den Kampf ansagte. Dies zeigt mit aller Deutlichkeit, dass sich die internationale Gemeinschaft auf eine ehrliche und gründliche Debatte über kulturelle Vielfalt einlassen muss. Wir brauchen gemeinsame Strategien, um die Vielfalt zu fördern und den «Anderen anzunehmen». Wir im Süden haben gerade erst begonnen zu begreifen, wie viele Menschen in Europa die Ansichten von Anders Behring Breivik teilen.

In welcher Hinsicht ist kulturelle Vielfalt in Afrika eine Herausforderung? Gibt es entsprechende Initiativen auf lokaler Ebene?
Mein Heimatland Simbabwe und seine südafrikanischen Nachbarstaaten haben eine gemeinsame Geschichte. Was sie heute am dringendsten benötigen, sind Führungspersönlichkeiten, die in der Lage sind, die Idee des Wohlstands für die Bevölkerungsmehrheit in die Wirklichkeit umzusetzen. Damit dies gelingen kann, müssen sie sich verstärkt bemühen, das strukturelle Management der kulturellen Vielfalt zu verbessern und die immensen natürlichen und personellen Ressourcen des Kontinents zu nutzen. Zum Beispiel kann unser Kulturfonds dank der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit der Schwedischen Behörde für internationale Entwicklungszusammenarbeit (Sida) Mittel in Projekte fliessen lassen, deren Ziel es ist, das Management der kulturellen Vielfalt besser zu organisieren. Zudem können strategische Partnerschaften mit ausgewählten Ministerien und lokalen Behörden Freiräume schaffen, in denen die unterschiedlichsten Weltsichten in gegenseitigem Respekt koexistieren und in denen die Differenz des Anderen anerkannt und geachtet wird. In solchen Räumen kann die aus dem Zusammenleben entstehende Energie positiv eingesetzt werden. Das ist nicht einfach, doch irgendwo muss man anfangen. Hierbei sollte man auf lokalen Erfahrungen aufbauen und lokale Lösungen suchen – selbstverständlich unter Berücksichtigung von Erfahrungen aus dem Ausland.

Was wäre aus kultureller und künstlerischer Perspektive eine erfolgreiche Süd-Nord-Zusammenarbeit?
In einem erfolgreichen Programm der Zusammenarbeit sind beide Partner zufriedengestellt und fühlen sich bereichert. In vielen Fällen jedoch erfüllen die Programme die Bedürfnisse des einen Partners, während sich der andere ausgenutzt, zu kurz gekommen oder ausgebeutet fühlt. Das kann vermieden werden, wenn die Ziele der Zusammenarbeit von Beginn an transparent sind. Zu diesem Zweck sollte zunächst festgehalten werden, ob es gemeinsame Werte oder Interessen gibt. Wenn dies einvernehmlich geklärt ist, dann wird es nicht dazu kommen, dass sich einer der Partner als Werkzeug für die Durchsetzung unausgesprochener Ziele fühlt. Im Übrigen müssen die Fähigkeiten der umsetzenden Parteien nachgewiesen werden, damit die mit den verfügbaren Mitteln realistischerweise erreichbaren Ziele festgesetzt werden können. In diesem Zusammenhang ist es sehr wichtig, den Kontext in dem Land zu berücksichtigen, in dem die Initiativen umgesetzt werden sollen. Als Beispiel möchte ich nochmals unseren Kulturfonds nennen. Er wird von Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes getragen, die mit den kulturellen Bedürfnissen Simbabwes vertraut sind. Auf lokaler und internationaler Ebene suchen wir dort Unterstützung, wo man unsere Werte und Vorstellungen teilt. Genau dies ist der Punkt, an dem viele Organisationen den falschen Weg einschlagen: Um Gelder zu erhalten, verzichten sie auf ihre Werte und Vorstellungen. Erfolgreich wird Zusammenarbeit dann sein, wenn zwischen den Wohlfahrtseinrichtungen, denjenigen, die einen Bedarf haben und denjenigen, die Ideen haben, Vertrauen herrscht.

Welche Botschaft möchten Sie den Schweizer Institutionen übermitteln, die im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit für die Förderung der kulturellen Vielfalt zuständig sind?
Ich möchte sie ermutigen, den Institutionen des Südens und den Menschen, die für deren Aktivitäten, Projekte und Programme verantwortlich sind, mehr Vertrauen zu schenken. Der Süden kennt seine Defizite im Bereich technische Kapazitäten und Kompetenzen. Solche Defizite können durch geeignete Weiterbildung und durch eine Stärkung der Institutionen behoben werden. Beeinträchtigt werden die Beziehungen durch wohlmeinende Kollegen aus dem Norden, die sich zwar nicht ganz im Klaren sind über die Vielfalt der verschiedenen Kulturen, die jedoch von ihren Methoden überzeugt sind und sie dem Süden aufzwingen. Der Mangel an Vertrauen hat dazu geführt, dass technische Fachkräfte aus dem Norden für kompetenter gehalten werden als besser informierte und leistungsfähigere lokale Fachkräfte. Unsere Partnerschaft mit der schwedischen Entwicklungsagentur hat es möglich gemacht, im Rahmen des Kulturfonds solide organisatorische Kapazitäten aufzubauen. Sie beruht auf gemeinsamen Werten, auf dem Wunsch, durch den Austausch guter Praktiken auch die Kapazitäten anderer zu erweitern, und auf der festen Überzeugung, dass Erfolgsgeschichten ansteckend sein können. Unser Partner nimmt keinen Einfluss auf die Auswahl der Prioritäten, die wir für unsere Programme festlegen.



Der Direktor des «Zimbabwe Culture Fund Trust», Farai Mpfunya, wurde als erster Exponent des Kunst- und Kulturbereichs mit dem begehrten Preis «Manager des Jahres in Simbabwe» ausgezeichnet. Am 26. August 2011 sprach er als Gastredner an einem Forum in Zürich über Probleme und Chancen der kulturellen Vielfalt.

Veranstaltungshinweis:
26. August 2011, 9.15 – 17.15h, Gessnerallee, Zürich
Forum « Kulturelle Vielfalt für nachhaltige Entwicklung »
 Informationen zum Forum

Weiterführende Informationen und Dokumente