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Radio Okapi ist das einzige Radio, das in der Demokratischen Republik Kongo auf nationaler Ebene arbeitet - ein origineller, innovativer Beitrag der Schweiz zur zivilen
Friedensförderung.
In der Demokratischen Republik Kongo (DRK) wütet seit 1996 ein Krieg. Nach einem ersten Konflikt, der zum Sturz des Regimes von Mobutu Sese Seko geführt hatte, brach
im August 1998 ein zweiter Konflikt aus. Er hatte die Teilung des Landes in Gebiete zur Folge, die de facto unter der Herrschaft verschiedener, sich konkurrenzierender politischer und militärischer
Kräfte stehen. Eine Kommunikation zwischen diesen Regionen ist praktisch unmöglich. Die unaufhörlichen Kämpfe haben die noch verbliebene Wirtschaftskraft des Landes zerstört. Sie haben innerhalb von
vier Jahren direkt oder indirekt den Tod von über drei Millionen Menschen verursacht; und sie haben eine halbe Million Flüchtlinge und über zwei Millionen intern Vertriebene hinterlassen.
Die UN-Mission MONUC überwacht seit 1999 den Waffenstillstand. Parallel führt der Interkongolesische Dialog (DIC) schrittweise zur Wiederherstellung eines dauerhaften Friedens auf politischem Weg.
Ein in Pretoria am 17. Dezember 2002 unterzeichnetes umfassendes Übereinkommen zur Bildung einer Übergangsregierung schliesst alle Konfliktparteien mit ein. 2006 wurden mit Erfolg Parlaments- und
Präsidentschaftswahlen durchgeführt, und Anfang 2007 wird in Kinshasa zum ersten Mal seit 1965 eine demokratisch gewählte Regierung eingesetzt.
In diesem Kontext war es von grösster Bedeutung, der kongolesischen Bevölkerung Informationen zur Verfügung zu stellen. Während der Kriegszeit gab es keinerlei Zugang zu landesweiten
Informationsquellen. Und nicht nur das: Alle Meldungen wurden streng kontrolliert und auf ein striktes Minimum beschränkt. Die wenigen Journalistinnen und Journalisten, die es noch wagten,
wahrheitsgetreue Berichte zu veröffentlichen, landeten häufig im Gefängnis. Die Bevölkerung hatte durch die Teilung des Landes keine Ahnung mehr, wie es in Bezug auf die Existenzgrundlagen in anderen
Gebieten des Landes aussah, und häufig wusste man nicht einmal mehr, was in der eigenen Region vor sich ging. Unter diesen Bedingungen drohte der Interkongolesische Dialog auf einige wenige Politiker
reduziert zu werden. Radio Okapi war insofern ein revolutionäres Projekt, als sich die in- und ausserhalb des Landes wohnende Bevölkerung durch die gesendeten Informationen ein Bild von der Realität
machen konnte.
Das Projekt Radio Okapi wurde als Partnerschaft der Vereinten Nationen und der in Lausanne ansässigen Stiftung Hirondelle ins Leben gerufen. Das UNO-Radio vermittelt als landesweiter
Informationssender sachliche und unabhängige Beiträge von allgemeinem Interesse in einem eher lockeren Ton. Genau wie bei anderen nationalen Sendern, die enorme Gebiete abdecken, handelt es sich bei
Radio Okapi nicht eigentlich um ein einziges Radio, sondern um ein Netz von Radios. Neun Stationen sind über das Land verteilt, ungeachtet der politischen und militärischen Grenzverläufe. Acht davon
versorgen die Zentrale des Netzes in Kinshasa mit Informationen und liefern so das Rohmaterial für das Einheitsprogramm, das in den einzelnen Studiostädten in unterschiedlicher Frequenz ausgestrahlt
wird. Zudem hat Radio OKAPI seit 2005 ein Netz von 25 gemeinschaftlichen Partner-Radios geschaffen, die OKAPI mit lokalen Informationen versorgen und ihrerseits die landesweiten Programme
wiederholen.
Das Projekt ist technisch komplex: Informationen, Reportagen und Chroniken werden ebenso wie die Programme selbst per Satellit übertragen. Radio Okapi ist mit moderner Informatik ausgerüstet:
Aufnahmen, Verarbeitung und Ausstrahlung erfolgen digital. Radio Okapi verfügt in dieser Hinsicht wohl über das grösste und leistungsfähigste Radio-Informatiksystem in Afrika, mit Ausnahme von
Südafrika.
Programme in fünf Sprachen
Radio Okapi erfordert aber auch eine ausgereifte Organisation in Bezug auf die Verwaltung und die Informationsübermittlung in fünf Sprachen (vier Landessprachen und französisch). Radio Okapi ist in
den sechs Jahren seit der Gründung sehr beliebt geworden. Jährlich durchgeführte Zuhörerstudien zeigen, dass das Radio landesweit am meisten Publikum hat und in den meisten Städten zum beliebtesten
Sender geworden ist. Einerseits, weil es sich um die einzige Informationsquelle handelt, die über die Ereignisse im gesamten Land berichtet, und die man im grössten Teil des Landes hören kann;
andererseits aber auch, weil Radio Okapi bereits verschiedene Tabus gebrochen hat: Es werden bisher verbotene Themen besprochen, wie Studentendemonstrationen, Kindersoldaten oder Ausschreitungen.
Dabei kommen Leute von der Strasse zu Wort, die sich in einer manchmal einfachen und berührenden Sprache darüber äussern, dass sie genug haben vom Krieg, von der schlechten Führung des Landes und von
Plünderungen. Daneben werden auch politische Debatten geführt. Radio Okapi hat so während den Wahlen eine sehr wichtige Rolle gespielt, da alle Parteien zu Wort kamen und nur überprüfte Informationen
gesendet wurden, was das Klima beruhigte und eine Eskalation in besonders angespannten Situationen verhinderte. Der Sender hat damit zweifellos zum erfolgreichen Ausgang der Wahlen beigetragen. Die
MONUC akzeptiert dabei, dass sie manchmal selbst in Frage gestellt wird, namentlich bei Antworten, die Verantwortliche der MONUC täglich auf Fragen von Hörerinnen und Hörern geben.
Radio Okapi geniesst in der kongolesischen Bevölkerung eine hohe Glaubwürdigkeit. Die objektive Berichterstattung ist jedoch nach wie vor mit Gefahren verbunden. Manchmal bezahlen die Journalistinnen
und Journalisten dafür sogar mit ihrem Leben, wie die Ermordung von Bukavu Serge Maheshe, einem Korrespondenten von Radio Okapi, im Juni 2007 zeigte.
Seit 2002 haben die Humanitäre Hilfe der DEZA, die Politische Abteilung IV des EDA und der Bereich Entwicklungszusammenarbeit der DEZA Radio Okapi mit rund 1 Million Franken pro Jahr unterstützt. Bei
diesem Projekt handelt es sich um eine neuartige Zusammenarbeit zwischen humanitärem Bereich und Friedenspolitik, zwischen bilateraler und multilateraler Zusammenarbeit sowie zwischen UNO und
NGO.
Seit 2006 unterstützt die DEZA gezielt die Erarbeitung und Umsetzung eines Plans, der dafür sorgen soll, dass Radio Okapi auch nach dem Rückzug der MONUC bestehen bleibt. Dieses Thema ist 2007
prioritär geworden, da sich immer deutlicher ein schrittweiser Abzug der MONUC nach den lokalen Wahlen Ende 2008 abzeichnet.
In Zukunft soll die Unterstützung der DEZA in erster Linie das längerfristige Weiterbestehen von Radio OKAPI sicherstellen und so zur Schaffung einer ausgewogenen kongolesischen Medienlandschaft
beitragen, den Demokratisierungsprozess stärken, die gute Regierungsführung fördern und den Frieden im Land sichern.
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Das Projekt in Kürze
Bereich
Humanitäre Hilfe
Entwicklungszusammenarbeit
Abteilung Menschliche Sicherheit EDA
Land / Region
Demokratische Republik Kongo
Partner Stiftung Hirondelle
Projektziel
Informieren, ausbilden, unterhalten, zum Dialog für den Frieden und für ein Machtgleichgewicht in der kongolesischen Gesellschaft beitragen
Zielgruppe
Zivilbevölkerung, politische Institutionen in der Demokratischen Republik Kongo
Laufzeit
Seit 2002 mit dem Ziel, ein kongolesisches Radio zu schaffen, das auch nach dem Rückzug der MONUC (2010) überlebensfähig ist
Finanzieller Rahmen
Beiträge der Schweiz (DEZA und Politische Abteilung IV) rund 1 Mio. CHF/Jahr seit 2002
Kontakt
Stiftung Hirondelle (Media for Peace and Human Dignity) Lausanne
Tel: +41 21 654 20 20
E-Mail: mailto:info@hirondelle.orgPolitische
Politische Abteilung IV EDA
Tel: +41 031 322 30 50
E-Mail: mailto:PA4@eda.admin.chSektion
Sektion Ost- und Südafrika (Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit)
Sektion Afrika (Humanitäre Hilfe)
Tel: +41 31 322 34 75
E-Mail: info@deza.admin.ch
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